K.u.KAquarium GrazPula,
2012 Wandmalerei, Siebdruck
ca. 10 x 5 x 5 m
Teil des Projekts murwillmeer!
Standort: Kultur- und Veranstaltungszentrum Karl Rojc Center, Pula, Kroatien

Die Arbeit entstand im September 2012 anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Graz und Pula. Zehn Künstler:innen gestalteten Gangflächen im 5. Obergeschoss des Karl Rojc Zentrums, einem ehemaligen K.u.K. Militärgebäude.

Die historische Verbindung der Städte reicht weit zurück: Vor dem Zweiten Weltkrieg unterhielt Graz ein Kinderheim in Istrien, das 1945 enteignet wurde. Ab 1956 fanden erholungsbedürftige Grazer Kinder wieder Aufnahme in einem Ferienheim in Pula. Unsere heutige Vorstellung dieser Orte ist eher furchterregend: Oft waren sie von einer repräsentativen, aber unwirtlichen Kasernenstruktur geprägt – riesige Schlafsäle ohne Privatsphäre, strenge Ordnung und kollektives Leben.

Aquarien gelten gemeinhin als beruhigend; sie werden oft in Schulen oder Arztpraxen aufgestellt, um Stress zu nehmen. Die Wandmalerei verwandelt den gesamten Gang in ein solches Becken, um das Gefühl zu erzeugen, sich tatsächlich in einem Aquarium zu befinden. Doch diese Illusion ist ambivalent: Einerseits wirkt sie tröstlich und romantisch, andererseits erinnert sie an das Eingesperrtsein mit klaren, unverrückbaren Grenzen.

In diesem scheinbar friedlichen Gewässer tummeln sich Fische aus der Grazer Mur und Meerestiere aus der Umgebung von Pula. Doch unter der Oberfläche schlummern die Relikte des Krieges: Fliegerbomben, die in beiden Regionen bis heute gefunden werden. Sie liegen wie verborgene Wunden im Boden, jederzeit bereit, die scheinbare Ruhe zu durchbrechen.

K.u.K.Aquarium GrazPula, 2012
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Zu allen Darstellungen sind kurze Texte zu finden wie:
Ein Schwarm Marmorbrassen sucht den Weg ins Netz
Zwei Petersfischbanden haben eine Meinungsverschiedenheit
Die Miesmuscheln fressen den Rest
Die Fliegerbomben warten seelenruhig auf ihren Einsatz
Die Rotaugen schwimmen unbeeindruckt Formation
Die Zahnbrassen folgen dem gelben Leithammel
Die Zweibindenbrassen langweilen sich
Die Huchen sind traurig, in freier Wildbahn sind sie 10x so gross
Aal und Aalrutte schwimmen gemeinsam
Der Zackenbarsch versucht sich wegzubeamen
Die Geiflbrassen stehen in Reih und Glied
Die Äschen würden lieber tiefer tauchen
Speer- und Schwertfisch (Iglan + Iglun) formieren sich
Die Blauhaie können im Hintergrund gemütlich auf ihr Futter wartenUropa + Uroma Strömer zeigen den kleinen das Aquarium
Selbst die gutmütigen Delfine wollen abhauen
Die Venusmuscheln versuchen nicht aus der Reihe zu tanzen
Die Arche Noah sieht ich alles gemütlich an
Srecko labinjonka, gefunden in Pula im Mai 2012, am Nacken verwundet, wird nach Rehab in die Freiheit entlassen