#aufgeputzt, 2019
Symposion Bergschmiede Eisenerz
Installationen
In der Werkreihe #aufgeputzt setze ich mich kritisch mit Geschlechterrollen in der traditionell männlich dominierten Schmiedewerkstatt am Erzberg auseinander. Auslöser war eine Geste des damaligen Werkstättenleiters: Er forderte die weibliche Symposiumsorganisatorin auf, anläßlich des bevorstehenden Symposions die Maschinen zu reinigen und übergab ihr dabei einen Stapel Putzlappen.
Einige davon entpuppten sich daraufhin als seine eigenen abgenutzten Unterhosen. Obwohl unbeabsichtigt, offenbarte diese Handlung tief verwurzelte Stereotype zur „Frauenarbeit“. Daraus entstanden vier Arbeiten:
#aufpoliert Eine selbstgebaute Polierscheibe aus über 50 rotierenden Baumwollscheiben ersetzt das Original im Schmiede-Block. Die Scheiben bestehen aus aussortierten Siebdruckproben, die in meiner Siebdruckwerkstatt als Putztücher gedacht waren. Aufgedruckt sind Begriffe wie AUFPUTZ, PUTZFETZEN, AUFPOLIERT und HADERN – Worte, die sowohl wörtlich als auch metaphorisch die Doppelmoral im Alltag spiegeln.
#putzhadern Beim Entferner jahrzehntelanger Verschmutzungen von der Deckeltruhe der Schmiede kam die ursprüngliche Aufschrift „Putzhadern neu“ zum Vorschein. Durch die Ergänzung um das Wort „alt“ und die bewusste Kennzeichnung gelang es schließlich, die sonst in der Esse verbrannten Gebrauchtlappen für die Installation zu sammeln.
#chefinnenhocker Der originale Werkstatt-drehhocker wurde mit neuem, rotem Leder überzogen. Auf der Sitzfläche sind Worte gedruckt (CHEFIN SCHMIEDIN CHEF SCHMIED), die die Machtverhältnisse und Rollenbilder in der Werkstatt dekonstruieren.
#gastschmiedinnenschürze Eine Schmiedeschürze aus dem gleichen roten Leder wie der Hocker, bedruckt mit GAST SCHMIED *IN. Sie wird über die abgenutzte, originale Schürze gehängt und dient als Hommage an die Organisatorin des Symposiums, die sich trotz männlicher Dominanz ihren Platz in der Werkstatt erkämpft hat.

